Eigensicherung für Rettungskräfte und medizinisches Personal

 

Alkoholisierter greift Rettungskräfte mit Schlägen und Tritten an

Die Rettungskräfte der Feuerwehr Hamburg wurden am Sonntagmorgen alarmiert. Ein betrunkener Mann lag auf dem Gehweg im Steindamm im Hamburger Stadtteil St. Georg. Die Retter brachten den hilflosen Mann in den Rettungswagen, um ihn in ein Krankenhaus zu transportieren.


Im Rettungswagen begann der Alkoholisierte plötzlich zu randalieren und griff die Rettungskräfte an. Nachdem der Mann seine Helfer bespuckt und beschimpft hatte, eskalierte die Situation als der Rettungswagen an der Notaufnahme des Krankenhauses ankam. Der betrunkene Patient schlug mit Fäusten und Füßen um sich und verletzte die beiden Rettungskräfte der Feuerwehr Hamburg. Die Retter erlitten Prellungen, konnten den Mann aber schließlich überwältigen und der Polizei übergeben.

 

Immer öfter werden Rettungskräfte und Krankenhauspersonal Opfer von verbalen und körperlichen Angriffen. Sei es nun der betrunkene Patient in der Notaufnahme der eine Krankenschwester beleidigt und sogar handgreiflich wird weil er eine Versorgung verweigert, der Nachbar der sich darüber aufregt, dass der RTW sein Auto zugeparkt hat oder tätliche Angriffe von geistig Verwirrten, alkoholisierten Personen oder BTM-Konsumenten. Dabei spielen weder Uhrzeit noch z.B. die ethnische Herkunft eine Rolle.

 

Dies belegt die Studie von Dipl. Soz.Wiss. Julia Schmidt (Lehrstuhl für Kriminologie, Kriminalpolitik und Polizeiwissenschaft Ruhr-Universität Bochum) über Gewalt gegen Rettungskräfte in NRW und die Ergebnisse sind erschreckend (Zeitraum 12 Monate):

 

98% der Rettungskräfte aus NRW haben bereits verbale Gewalt erlebt

59% haben mindestens einen aggressiven Übergriff erlebt

27% wurden Opfer einer strafrechtlich relevanten Gewalttat

 

Nur 43% dieser Vorfälle geschahen nachts!

45% der Vorfälle geschahen im privaten Raum

49% der Vorfälle geschahen im öffentlichen Raum

27,1 % der Vorfälle geschahen in „bürgerlichen Wohngegenden“

 

 

Die komplette Studie kann hier bei der Unfallkasse – NRW heruntergeladen werden:   L I N K


Wie ist die Lage bei den Rettungskräften in Hamburg?


 Auch in Hamburg häufen sich die Übergriffe auf Rettungskräfte. 2012 wurde eine kleine Anfrage an den Hamburger Senat zu diesem Thema gestellt.

 

Das Ergebnis davon war, eine Steigerung der Angriffe auf Rettungskräfte (hier nur RTW Besatzungen bzw. Feuerwehreinsätze!).

 

2011 gab es 45 körperliche Übergriffe auf Rettungskräfte in Hamburg

 

Bis Oktober 2012 waren bereits 32 Übergriffe registriert!

 

Die Statistik über die Art der Angriffe liest sich dabei wie ein Krimi.

 

Ein Auszug aus der Untersuchung:

 

-          Faustschlag ins Gesicht

-          Bewurf mit Steinen

-          Bedrohung mit Schlagstock

-          Mit dem Auto angefahren

-          Angriff mit Küchenmesser

-          Tritte

-          Angriff mit Glasscherbe

-          Mit Absperrpfosten beworfen

-          Angriff mit Pfefferspray

 

Ergebnis der Untersuchung Übergriffe auf Rettungskräfte in Hamburg
Übergriffe Rettungsdienst HH.pdf
PDF-Dokument [421.8 KB]

Die Studie der RUB zeigte, dass die Rettungskräfte auf derartige Situationen nur ungenügend vorbereitet sind. Die RUB-Forscher empfehlen zudem Schulungs- und Trainingsprogramme zur Deeskalation und zur Ausbildung in „körperschonenden“ Abwehrtechniken.

 

Gleiche Vorfälle ereignen sich auch in unseren Krankenhäusern. Immer wieder wird Pflegepersonal von aggressiven Patienten aus den verschiedensten Gründen angegriffen. Sei es nun in der Notaufnahme oder im „krankenhäuslichen Alltag“. Mehr und mehr Krankenhäuser beschäftigen inzwischen einen Sicherheitsdienst. Doch in den ersten Augenblicken eines Konfliktes, sind die Helfer erst einmal auf sich allein gestellt. Die Rettungskräfte der Feuerwehr Hamburg fordern z.B. ein Selbstverteidigungstraining für ihre Mitarbeiter. Die befragten Teilnehmer der Studie wünschen sich sogar zu 77,3% Fortbildung im Bereich der Selbstverteidigung!  

Schon 2011 beschäftigte sich die Fachzeitschrift „Rettungsdienst“ (S+K Verlag für Notfallmedizin) mit dem Thema. Seit dem hat sich in einigen Bundesländern etwas getan. So führt z.B. der Malteser Hilfsdienst e.V. in NRW ein Selbstverteidigungstraining für alle Mitarbeiter durch. Doch noch immer kommt es zu Vorfällen und dem Thema wird nicht genug Beachtung geschenkt. Auch die Verschärfung des Strafgesetzbuches für Angriffe gegen Vollzugsbeamte und ihnen gleichgestellte Personen wird keinen alkoholisierten oder gewaltbereiten Täter abschrecken!

 

Das Modul „Eigensicherung für Rettungskräfte und medizinisches Personal“ richtet sich gezielt an Rettungskräfte, Sozialarbeiter, Pflegepersonal in Krankenhäusern und psychiatrischen Einrichtungen. Es soll die Mitarbeiter auf Vorfälle mit verbalen und körperlichen Übergriffen vorbereiten und ihnen Handlungssicherheit geben.

 

Die Mitarbeiter erhalten effektive, juristisch einwandfreie und einfache Methoden um sich gegen Gewalt (verbal oder körperlich) wehren zu können! Neben den Techniken zur Selbstverteidigung kommt den theoretischen Inhalten ein großer Stellenwert zu!

 

Das Ausbildungskonzept beinhaltet unter anderem folgenden Punkte:

 

THEORIE

 

 

 

  • Gründe für Gewalt und Konfliktentstehung (psychologische Analyse von z.B. Statusritualen, Konfliktentstehung und „Gewaltmanagement“)

 

  • Umgang mit Angst & Stress in einer Einsatzsituation / in einem Konflikt (Physische Auswirkungen von Angst/Stress auf den Organismus, Unterschied biologische und emotionale Angst, Möglichkeiten für den Umgang mit Angst und Fear Management)

 

  • Mentale Vorbereitung auf Konfliktsituationen zur Erhöhung der Handlungssicherheit (Mind Hardening, SAZ-Strategie, Cycle of behavior als Handlungskonzept und präventives mentales Konzept)

 

  •  Rechtliche Grundlagen der Notwehr

 

  • Deeskalationstechniken & Körpersprache (verbale und non-verbale Kommunikation in einem Konflikt und ihre Auswirkung auf z.B. das Statusgefühl des Gegenübers)

 

  • Der O.O.D.A. Prozess bei der Entscheidungsfindung in einer Konfliktsituation / einer Notwehrsituation zur Optimierung der eigenen Handlungsfähigkeit

 

  • Erkennen von Signalen körperlicher Gewalt (Körpersprache und optisch erkennbare Auswirkungen von Stress/aggressivem Verhalten und Adrenalin beim Angreifer)

 

  • Umgang mit dem medizinischen Phänomen EDP                                 (Emotionally Disturbed Person)

 

  • Lagebedingter Erstickungstod (positionale Asphyxie)

 

 

 

PRAXIS

 Anmerkungen:


Alle praktischen Techniken sind sowohl für Männer als auch für Frauen geeignet! Die Techniken benötigen keine Körperkraft und sind unabhängig von Alter und Größe anwendbar!

 

Unter Stress/Angst verliert der Körper alle feinmotorischen und fast alle komplex-motorischen Fähigkeiten! Außerdem sinkt die Fähigkeit kognitive Prozesse abzurufen und evtl. trainierte „choreographierte Techniken“ können nicht rechtzeitig bzw. gar nicht abgerufen und ausgeführt werden.

 

Zu den Auswirkungen von Angst/Stress kommt meist noch hinzu, dass der Angriff überraschend erfolgt und die eigene Reaktionszeit vermindert wird (Stimulus – Response in Abhängigkeit von Geschwindigkeit, Aggressivität und Entfernung zum Angriff)

 

Alle Techniken basieren darum auf grobmotorischen Bewegungsabläufen! Diese sind nicht nur einfach zu erlernen sondern lassen sich auch unter Stress noch abrufen und einsetzen. Unter Stress funktionieren grobmotorische Bewegungen sogar noch besser und werden durch die Adrenalin - Ausschüttung noch unterstützt.

 

Weiterhin sind die Techniken so einfach, dass sie auch mit geringer Trainingsintensität verinnerlicht und erlernt werden können! Ein jahrelanges Training ist also nicht nötig um Handlungssicherheit zu erlangen!

 

 

  • Non-Violent Postures (Deeskalierende Positionen die eine hohe Verteidigungsfähigkeit unterstützen und die Reaktionszeit verbessern)

 

  • Verteidigungsstellung(en)

 

  • Startle Flinch (instinktiver Schutzreflex des menschlichen Körpers in diversen Variationen und sein Nutzen für die Selbstverteidigung)

 

  • „Outside 90 Prinzip“ zur Erlangung der optimalen Nutzung der Arme (maximale biomechanische Stabilität des Armes)

 

  • Open Hands Konzept zur Aktivierung des gesamten Trizeps für die Abwehr bzw. das Distanzhalten zum Gegenüber und zur Unterstützung des „Outside 90 Prinzips“

 

  • Ausnutzen der natürlichen Schutzreaktion für die Abwehr    (S.P.E.A.R. – Spontaneous Protection Enabling Accelerated Response)

 

  • Kontrolltechniken in verschiedenen Eskalationsstufen (Kontrolle von Personen im Stehen, Sitzen und Liegen, Pain-Compliance zur Ruhigstellung)

 

  • Befreiungsstechniken (Befreien aus verschiedenen Situationen wie z.B. Festhalten durch das Gegenüber, Würgen, Haare ziehen, An die Wand drücken, etc.)

 

  • Kontermöglichkeiten und das Schaffen von Distanz für die eigene Flucht (z.B. für das Entkommen für RTW – Besatzung aus einer Wohnung)

 

  • Taktisches Verhalten in einer Konfliktsituation

 

  • Verhalten im Team / Eigensicherung beim Umgang mit aggressiven Personen

 

  • Situationstraining (Durchspielen von Einsatzsituationen / Konfliktsituationen mit Analyse und Auswertung der Handlungsmöglichkeiten)

 

 

Alle Inhalte sind je nach Wunsch kombinierbar oder in verschiedenen aufeinanderfolgenden Ausbildungen durchführbar!

 

Die Teilnehmer erhalten eine nachhaltige, effektive und kompetente Handlungssicherheit in einer Einsatzsituation bzw. in einer Konfliktsituation!

 

Die Techniken, Umgang mit Angst und die Handlungsmöglichkeiten wurden von diversen Medizinern wissenschaftlich untersucht und ausgewertet.

 

Die Ergebnisse finden sie hier (in englischer Sprache):    L I N K

Member of the PoliceOne Law Enforcement Training Network